Leibniz hat Geschichte


Leibniz-Gymnasium

1904-1989


G.-W.-Leibniz-Gesamtschule

seit 1981


Geschichte der Schule

Aus der Geschichte des Schulstandortes

von Dr. Hartmut Pietsch


Wappen des Stadtbezirks Duisburg-Hamborn
Wappen des Stadtbezirks Duisburg-Hamborn

Es ist mehr als 110 Jahre her, dass zum ersten Mal Schüler am Standort unserer heutigen Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesamtschule in einen Klassenraum eintraten. Im Jahre 1903 wurde der älteste Flügel des Schulgebäudes an der zum Stadtpark hin gelegenen Seite feierlich vom Münsterschen Weihbischof von Galen eingeweiht. Hier zog 1904 damals die katholische Rektoratsschule der Pfarre Hamborn ein, eine höhere Knabenschule mit den Klassen Sexta bis Untertertia (5-8). Zur Erinnerung an den Stifter des Prämonstratenserordens, den heiligen Norbert, und die jahrhundertelange Tätigkeit der Prämonstratenser an der benachbarten „Abtei" erhielt die neue Schule den Namen „Norbertinum“.

 

Es war damals die Zeit, in der die Eisen- und Stahlindustrie im Hamborner Raum, verbunden mit dem Namen des Industriellen August Thyssen, gewaltig anwuchs. Von überall strömten Menschen herbei, um hier Arbeit und Brot zu finden. Lebten im Gebiet der späteren Stadt Hamborn um 1900 kaum 30.000 Menschen, so wuchs ihre Zahl bis 1910 auf 103.000 an. 1911 wurde die Gemeinde zur selbständigen Stadt Hamborn erhoben.

Mit der wachsenden Bevölkerungszahl änderten sich auch die Schulverhältnisse. Neben zahl-reichen Volksschulen wurden in den Jahren nach der Jahrhundertwende auch eine höhere Gemeindemädchenschule (heute Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium) und eine katholische höhere Mädchenschule (heute Abtei-Gymnasium) errichtet sowie im Jahre 1904 eine höhere Knabenschule der Gemeinde Hamborn - der Vorläufer des Leibniz-Gymnasiums und unserer heutigen Leibniz-Gesamtschule. Diese Schule war damals in Marxloh untergebracht und zog im Herbst 1906 in ein eigenes neues Gebäude an der Moltkestraße (heute Dahlmannstraße) ein.


Dieses Knabengymnasium, das dem Typ des Realgymnasiums entsprach - mit Latein als erster, Französisch als zweiter und Englisch (statt Griechisch) als dritter Fremdsprache - machte nun dem „Norbertinum“ so starke Konkurrenz, dass die Rektoratsschule 1912 in das neue Realgymnasium in Marxloh einbezogen wurde. Das Schulgebäude an der Hamborner (damals Meidericher) Straße übernahm die Gemeinde Hamborn.

Trotz der schweren Zeiten des Ersten Weltkrieges und der Nachkriegsjahre wuchsen die Schülerzahlen des Gymnasiums erheblich an. Eine Teilung der Schule in ein Realgymnasium (Latein als erste, Französisch als zweite, Englisch als dritte Fremdsprache) und eine Oberrealschule (Fremdsprachen Französisch und Englisch, Latein nur Wahlfach in der Oberstufe) wurde nötig. Für das Realgymnasium plante die Gemeinde Hamborn ein neues Schulgebäude. Hier fiel die Wahl auf den Schulstandort Hamborner Straße, wo 1927 ein architektonisch profilierter Neubau, errichtet im Anschluss an das Gebäude des älteren „Nobertinums“, bezogen werden konnte. Dieses Schulgebäude ist heute der Haupttrakt der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesamtschule.

Die Zeit des Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit brachten wiederum mannigfache Veränderungen im Hamborner Schulleben (seit 1929 gehört Hamborn zu Duisburg). In der NS-Zeit wandelte man die beiden höheren Knabenschulen, das Realgymnasium an der Hamborner Straße und die Oberrealschule in Marxloh, in nur achtjährige „Oberschulen für Jungen" um. Der Zweite Weltkrieg traf Schulen und Schüler schwer. Um dem sich verschärfenden Bombenkrieg zu entgehen, wurden die Schulen 1943 in weniger vom Krieg betroffene Gebiete ausgelagert, wo Lehrer und Schüler unter abenteu-erlichen Umständen den Krieg überdauerten. Schwer getroffen wurden die Schulgebäude: Die Schule in Marxloh wurde 1943 durch Bombentreffer und Brand völlig zerstört, die Schule in Hamborn durch Artillerietreffer bei Kriegsende stark beschädigt. Nur mühsam konnte nach dem Kriegsende und der Besetzung des Ruhrgebietes durch die Alliierten der Schulbetrieb in Hamborn wiederaufgenommen werden. Erst im Oktober 1945, ein halbes Jahr nach Kriegsende, begann im Schulgebäude Hamborner Straße unter primitiven Umständen wieder der Unterricht mit wenigen Lehrern und Schülern, die ins stark zerstörte Hamborn zurückgefunden hatten. Der Name der Schule lautete jetzt: „Vereinigte Oberschule für Jungen Duisburg-Hamborn“

 

Nach den Notjahren der Nachkriegszeit wollte sich die Schule 1949 einen neuen Namen geben. Namen wie „August-Thyssen-Schule“ und „Gymnasium an der Abtei" wurden diskutiert und wieder verworfen. Schließlich einigte man sich auf den Namen „Leibniz-Schule" - später „Leibniz-Gymnasium" - zur Erinnerung an den großen Universalwissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz (1646- 1716).

Die fünfziger Jahre, in denen die Schule eine ruhige Entwicklung nahm, sahen steigende Schülerzahlen: Ein Erweiterungstrakt wurde nötig, der 1959 mit 10 Klassenräumen fertiggestellte Ostflügel an der Jägerstraße. Dennoch wurde das Schulgebäude bald wieder zu klein. Die Lösung war eine Teilung der Schule. Die neusprachlichen Klassen wurden bis 1968 ausgegliedert und bildeten den Schülerstamm für das neugegründete Clauberg-Gymnasium.

 

In den siebziger Jahren war das Leibniz-Gymnasium eine Schule mit 600 bis 700 Schülern; seit dem Schuljahr 1970/71 wurden auch Mädchen in die Eingangsklassen des bisherigen Jungengymnasiums aufgenommen. 1977 wurde auf dem südlich an das Schulgrundstück angrenzenden Areal ein Neubau für eine Hauptschule errichtet. Hier zog die Hauptschule von der Reichenberger Straße, die spätere Comenius-Hauptschule, ein.

 

Die Schulreformideen der sechziger und siebziger Jahre führten auch in Duisburg zu einer wachsenden Resonanz des Gesamtschulgedankens. Nachdem die erste Duisburger Gesamtschule als Versuchsschule 1976 in Großenbaum begründet worden war, veranlasste der Rat der Stadt 1980 eine Elternbefragung im Duisburger Norden. Etwa 1800 Eltern von Kindern im 3. und 4. Grundschuljahr erklärten, dass sie ihr Kind auf eine Gesamtschule im Duisburger Norden anmelden würden. Entsprechend setzte die Suche nach einem Schul-standort ein. Gegenüber dem Schulzentrum an der Kampstraße mit Clauberg-Gymnasium und August-Thyssen-Realschule erschien der Standort Hamborner Straße mit dem Leibniz-Gymnasium und der benachbarten Hauptschule geeigneter. Am 24.11.1980 fasste der Rat der Stadt den Beschluss, hier mit Schuljahresbeginn 1981/1982 eine Gesamtschule mit sechs Parallelklassen in Ganztagsform zu errichten. Entsprechend sollte das Leibniz-Gymnasium keine neuen Eingangsklassen mehr aufnehmen. Auch die Hauptschule sollte zunächst auslaufen. Später wurde jedoch beschlossen, sie an der Reichenberger Straße weiterbestehen zu lassen. Im September 1981 wurden die ersten 180 Schüler im Jahrgang 5 an der neuen Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesamtschule aufgenommen. Und wieder musste gebaut werden - wie so oft in der über achtzigjährigen Schulgeschichte an der Hamborner Straße: zunächst ein Erweiterungstrakt am Südrand des Schulgebäudes mit acht Klassenräumen, dann der für den Endausbau notwendige Ergänzungstrakt mit 10 Klassenräumen, zwei Musikräumen mit Nebenraum, die Mediothek mit Medienräumen sowie die Mensa mit Ausgabeküche - wichtige und für den Ganztagsbetrieb einer Gesamtschule notwendige Einrichtungen. Mit der Einweihung am 7. und 8. März 1986 erreichte die junge Gesamtschule einen ersten wichtigen Abschnitt in ihrer Entwicklung an einem Schulstandort, an dem seit über 80 Jahren Harnborner Schüler zur Schule gehen!